Kultur und Medien
Kürzungen haben fatale Folgen für die Kultur

25.02.2010 - Anlässlich des heutigen Expertengesprächs zur aktuellen Lage der öffentlichen
Kulturfinanzierung im Ausschuss für Kultur und Medien erklären der Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion Siegmund Ehrmann und der Vizepräsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse:
Einsparungen bei der Kultur haben fatale Folgen. Schon geringe Kürzungen
gefährden die kulturelle Substanz auf Dauer. Gerade Menschen
mit geringen Einkommen sind auf öffentliche Angebote wie Bibliotheken,
Musikschulen, Jugendkunstschulen, aber auch Schwimmbäder
und öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Steigen die Gebühren oder
fallen diese Angebote weg, werden sie von der Teilhabe an diesen öffentlichen
Gütern ausgeschlossen.
In vielen Kommunen ist die Situation inzwischen dramatisch. Für 2010
erwarten kommunale Spitzenverbände ein Rekorddefizit von 12 Milliarden
Euro. Dies wird durch das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz
verschärft, das für die Kommunen mindestens 1,6 Milliarden
Euro Einnahmeausfälle pro Jahr zur Folge hat. Viele Kommunen
haben deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen und werden vor allem
bei den "freiwilligen Leistungen" noch mehr sparen müssen. Zu diesen
"freiwilligen Leistungen" gehören die Ausgaben für Kultur. Einsparungen
in diesem Bereich treffen zuallererst kleine Projekte und Initiativen sowie
Bibliotheken oder Soziokulturelle Zentren, aber auch die Kultur- und
Kreativwirtschaft.
Die Rufe nach Gegenmaßnahmen des Bundes und der Länder werden
zu Recht immer lauter. All diejenigen, denen kulturelle Vielfalt am Herzen
liegt, sind gefordert, sich zu Wort zu melden. Wir dürfen eine kulturelle
Ver(bl)ödung in unseren Kommunen nicht hinnehmen. Erst anregungsreiche
kulturelle Angebote machen Kommunen attraktiv. Die strukturellen Probleme der kommunalen Finanzierung müssen grundlegend und dauerhaft verbessert werden.
Die SPD fordert einen Rettungsschirm für Kommunen. Die Einnahmeausfälle
durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz müssen ausgeglichen
und die Finanzlage der Kommunen stabilisiert werden. Wir fordern
die Bundesregierung auf, alle Maßnahmen zu unterlassen, die zu
weiteren finanziellen Belastungen der Kommunen führen. Die Länder
müssen ihrer Verpflichtung nachkommen, eine auskömmliche Finanzierung
der Kommunen zu gewährleisten.